Rezension von Alexander Baumbach, 7. Januar 2009

“So genannte Rabenmütter - Berichte von Frauen, die ohne ihre Kinder leben” dreht sich, wer hätte es gedacht, um Mütter, die der traditionelle Gegenpol zu alleinerziehenden Vätern sind. Auf dem Rückentext erfahre ich, dass mir das Buch die Frage beantworten möchte, was “diese Frauen dazu bringt, diesen Schritt zu wagen, der so gar nicht in das Urbild der Mutter passt”. Und was hält der Inhalt?

Ohne statistisch genau auszuwerten, liest mein Bauchgefühl permanent von Müttern, die in ihren Trennungsschemen ähnliche Erfahrungen machen. Sie heiraten (fast alle) einen Mann, der nur auf den ersten Eindruck als Vater der eigenen Kinder passt - und sich dann entweder selbst als jemand anders entpuppt oder erst “viel zu spät” als ein ganz anderer Mensch entlarvt wird.

Dann kommen gesundheitliche Probleme bei diesen Frauen hinzu - entweder körperlicher oder seelischer Natur - die ihre Leistungskraft schmälern und die Energie, die man sonst ja vollständig für die Kinder, den Haushalt und den ungeliebten Ehemann aufgebracht hat, vollkommen auffrisst. Und meist treffen sie in dieser schweren Phase einen anderen Mann. Einen der zuhört. Einen, der ihnen hilft, ihre Probleme in den Griff zu kriegen. Und - einige der bezeugenden “Mütter” sind so ehrlich - und der sie beim Sex mehr antörnt, als der Typ, der den ganzen Tag außer Haus ist, ihnen die Kinder als Beschäftigung daläßt und dann sowieso nicht die selbe Wellenlänge hat, wie man selbst.

Puh. Harter Tobak. Mir bleiben trotzdem noch Fragen offen:

Warum prüften sich die Damen nicht, bevor sie sich auf ewig banden? Oder “kamen sie aus der Nummer einfach nicht mehr raus”, wie das eine mir auch persönlich bekannte Mutter mal erklärte? Und vor allem: ist es wirklich so schwer, wie Gertrud (42 Jahre) zuzugeben: “Papa, [der] allerbeste Mensch, den ich mir als Bezugsperson für meine Kinder vorstellen kann” (Rabenmütter; Jany, S. 110).

Das Buch ist in einem (dem?) Books on demand-Verlag erschienen. Ich möchte nicht sagen, dass man das merkt, aber die vorherrschende Sprache der einzelnen Artikel ist nicht literaturkritikfähig. Es sind eben Erzählungen von Frauen, die sich ihre Brötchen in der Regel nicht mit dem Aufschreiben von Berichten verdienen - und das macht auch wieder die Authentizität des Buches aus. Wenngleich es manchmal dadurch nicht ganz so flüssig zu lesen ist.

Alles in allem also ein Buch für und über eine Randgruppe. Nicht massenkompatibel. Ermöglicht dem Kreis der Betroffenen aber mit Sicherheit ein wenig Einblick in das Schicksal Seelenverwandter (denn so kommen mir die Damen vor) - und dem alleinerziehenden Vater wie mir einen Einblick in die Psyche des Menschen, den er irgendwann nicht mehr verstanden hat. Und mir sind tatsächlich einige Parallelen begegnet! Also, Single-Papas: Lese-Empfehlung!

Risiken und Nebenwirkungen: Magenschmerzen wegen zuviel weiblicher Egozentrik und abstruser Entschuldigungshymnen. Gutes Gefühl, dass man nicht der einzig verarschte Papa der Nation ist.

Quelle: Blog von Alexander Baumbach

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